2017/11/17

2017/11/05


all you can eat
a girl swallows
her loneliness


autumn equinox
still adjusting
to my mediocrity


in flight entertainment
i choose
the lenten moon


faILed haIKu
A Journal of English Senryu
Vol 2, Issue 23

2017/10/17

Published with Chrysanthenum 22, October 2017


längste Nacht
ich gebe die Wörter
der Stille zurück

longest night
I return the words
to the silence

__

Kaugummiautomat
der Geschmack
meines ersten Kusses

gumball machine
the taste
of my first kiss

__

Heidelbeeren
noch lange das Blau
einer Wanderung

huckleberries
for a long time the blue
of a hike


***


Haibun

"Die Kunst ist der nächste Nachbar der Wildnis"*

steht in silbernen Buchstaben der orange gestrichenen Mauer. Ein paar Schritte weiter wachsen Birken und Robinien aus stillgelegten Gleisen. Das Metall ist von saftigem Moos überzogen. In der Lokhalle des ehemaligen Berliner Rangierbahnhofs, der in den 40er Jahren täglich über 130 Güterzüge verschoben hat, hängen auf einer Leine rote und weiße Tücher. Vielleicht sind es Requisiten der Shakespeare Company Berlin, die hier am Abend zuvor noch Romeo und Julia gegeben hat.

Nachtigallenlied
ich falte Papierblumen
aus dem Regelheft



"Art is the closest neighbor to wilderness"**

is imprinted in silver letters on the orange-painted wall. A few steps further, birches an locusts grow from abandoned tracks. The metal is covered with juicy moss. In the engine shed of the former Berlin marshaling yard, which daily moved over 130 freight trains during the 40s, are hanging red and white clothes on a line. Perhaps they are the props of the Berlin Shakespeare Company, who gave Romeo and Juliet the night before.

Nightingale song
i fold paper flowers
from the rule book

____
* Zitat von Karl Ganser
** Reference to Karl Ganser, a German geographer and city planer, especially awarded for ecological space planning including the preservation of historic industrial sites.



2017/09/25



eingeflochten

-ein Rengay-

Gabriele Hartmann: 1,3,5
Simone K. Busch: 2,4,6



Johannisfeuer
wenn du diese Zeilen
liest

auf den Strandkieseln
liegt tropfnasser Kelp

beim dritten Klang
umarmen
die Bäume

Mutters Parfüm
eingeflochten
in den Brautkranz

eine Ahnung von Herbst
hinterm Horizont

Hotel Atlantik
der Rezeptionist ordnet
Träume


Sommergras 118, September 2017

2017/09/21

In Harmonie

Früh morgens, beim Auschecken aus dem Ryokan, frage ich in meinem Überlebensjapanisch, wie ich am schnellsten zum Bahnhof komme. Die Rezeption des Hotels ist eine kleine Luke, eingerahmt von Holz in der Farbe dunkler Sojasauce. Neben einer eingestaubten Telefonanlage steht der Rezeptionist. Er lächelt und zieht eine faltige Kladde hervor. Flüsternd gleitet er Zeile für Zeile mit dem Finger über die Abfahrzeiten des städtischen Busses. Dann entschuldigt er sich mehrfach und bietet mir an, ein Taxi zu bestellen.

Vor dem Hotel wartend beobachte ich, wie Busse von japanischen Reiseveranstaltern ankommen. Sie entlassen ihre Fracht am Eingang des Adachi Museums of Art und fahren wieder ab. Das Museum liegt in der Präfektur Shimane am japanischen Meer. Dies ist weit von den Touristenzentren Tokyo, oder Kyoto entfernt und ich sehe außer mir keinen weiteren westlichen Touristen.

Am Bahnhof angekommen, kann ich gerade noch die roten Rücklichter meines Zuges erahnen. Der nächste fährt in einer Stunde. Mit dem Ticket in der Hand lasse ich mich auf eine Bank im Warteraum nieder. Stille. Ich sinke tiefer in meine Gedanken. Plötzlich spricht mich jemand auf Japanisch mit meinem Namen an. Neben mir steht der Rezeptionist. Er verbeugt sich tief, entschuldigt sich mehrfach, lächelt und hält mir eine kleine, bunt bedruckte Papiertüte entgegen.

Ingwerkekse
ein fremder Vogel pfeift
übers leere Gleis



Sommergras 118, September 2017




Lebendiger Bildrahmen, Adachi Museum of Art

2017/09/14

My Haiga exhibited at the 9th World Haiku Association Conference in Parma, Italy, September 8 through September 10, together with the wonderful works of my international Haiga friends. Selected by Kuniharu Shimizu ...






2017/08/24


Einsiedelei
der ausgetretene Pfad
geht am Tor vorbei


***


Salzstollen
der dunkle Geruch
des Urmeeres


Haiku heute, 15. August 2017

2017/06/19


Das anläßlich der Veröffentlichung meines Haiku-Buches mit Catherine Urquhart in Englisch geführte Interview gibt es nun auch in Deutsch und Japanisch auf der Seite des Deutsch-Japanischen Online-Magazins Sushi & Sauerkraut.

Hier ist der Link zu Sushi und Sauerkraut









...

日独オンラインマガジン 寿司とザワークラウト




...


2017/06/16

schrille Schreie 

- ein Foto-Rengay -

Gabriele Hartmann: Foto 1,3,5 und Vers 2,4,6
Simone K. Busch: Foto 2,4,6 und Vers 1,3,5

Erstveröffentlicht bei Haiku heute, 15. Juni 2017






Anmerkungen

schrille Schreie von Gabriele Hartmann und Simone K. Busch kombiniert ein Rengay mit Fotografien. Das Rengay ist ein sechsstrophiges Gedicht in der Tradition japanischer Kettengedichte, das von dem Amerikaner Gary Gay erfunden wurde.

Die Idee, Kettengedichte mit Fotos zu kombinieren ist nicht neu. Beispielsweise veröffentlichten Bea Bareis (Fotografien), Ramona Linke und Simone K. Busch in 2011 das Shisan Chili für‘s Dinner/Seasoned with Chili (Haiku heute 12/2011A Hundred Gourds 6/2012, You Tube Video https://youtu.be/IYb70zVAbCI).

Das Besondere beim Foto-Rengay schrille Schreie ist, dass Verse und Fotos über mehrere
Ebenen horizontal, vertikal und diagonal miteinander verlinkt sind. Hierdurch entsteht eine Art Gedanken-Gewebe, das zwischen bildlichen und textlichen Elementen wechselt, gerade so, wie auch im Alltag unsere Sinne angesprochen werden. 

Das Werk wurde aus dem ersten Foto auf Blatt 1 entwickelt, auf das die Dichter-Partnerin mit Vers und Foto antwortete. Diesem Muster folgend wurde die Kette fortgesetzt und  auf Blatt 6 mit dem Vers beendet.

Jeder Vers, sowie jedes Foto ist als eigenständiges Werk zu betrachten. Ebenfalls kann jede Vers-Foto-Kombination der sechs Blätter für sich allein als Foto-Haiku stehen. Hierbei erklärt weder das Foto den Vers, noch umgekehrt. Vielmehr ergänzen die Elemente das jeweils andere über einen
assoziativen Link, bzw. einer Duftverbindung, mit weiteren Bedeutungsanteilen.


Gabriele Hartmann www.bon-say.de
Simone K. Busch http://simonekbusch.blogspot.de





2017/05/27

2017/05/15


voller Erwartung
im Zen-Museum
die Stechmücke


***


Apfelblüten
dünn mit Eis überzogen
unsere Fingerspitzen


***




















Haiku heute, Mai 2017

2017/04/24


Catherine Urquhart, founder of the Edinburgh Haiku Circle, gave me the opportunity to share some thoughts about my haiku book "sipping from shadows".





....

Please read on here